Das Alte Rathaus

Das älteste Gebäude der Stadt Wiesbaden

Foto: Don Mammoser / Shutterstock.com
Es ist in der Tat alt – das „Alte Rathaus“ von Wiesbaden. Es stammt aus dem Jahre 1610 und ist das älteste Gebäude der Stadt. Ursprünglich wurde das Alte Rathaus im Stil der Renaissance errichtet, doch im Laufe der Jahrhunderte gab es derart viele bauliche Korrekturen, so dass der ursprüngliche Eindruck mehr und mehr verwischt wurde. Zu finden ist dieses Gebäude am zentralen Punkt der Wiesbadener Altstadt in der Marktstraße. Gegenüber des einstigen Rathauses, das inzwischen durch ein jüngeres ersetzt wurde, ist das Stadtschloss nicht zu übersehen. Es dient dem Hessischen Landtag bei Anlässen der Repräsentation.

Das Modell des Hauses blieb erhalten

Im Jahre 1608, also vor dem Dreißigjährigen Krieg, wurde der Grundstein zum Rathaus der Stadt Wiesbaden gelegt. Der damalige Stadtbaumeister Valerius Bausendorf beauftragte Antonius Schöffer mit der Ausführung des Gebäudes. Es beruhte auf ein Modell Bausendorfs, das die Wirren einer langen Zeitspanne überstand und noch immer in einem Museum zu finden ist. Den Auftrag zum Bau des Rathauses erhielt der Stadtbaumeister von Graf Ludwig II. von Nassau, der im Schloss Saarbrücken residierte, sich um die Bildung der Bevölkerung und um die Schiffbarmachung der Saar verdient machte.

Verziertes Fachwerk im Obergeschoss

Der Plan zum Bau des Rathauses enthielt die Ausführung eines sehr massiven Untergeschosses und eines Obergeschosses, dessen Fachwerk reich verziert wurde und aus Erkern und geschweiften Giebeln bestand. Das Fachwerk hatte einige Vorbilder und fand sich unter anderem im Amtshof von Camberg, einigen Bürgerhäusern in Limburg an der Lahn sowie in der Vorburg in Idstein. Im Jahr 1928 musste das obere Geschoss des Hauses restauriert werden, weil es baufällig geworden war. Der ursprüngliche Stil wurde verändert und präsentiert sich seither gotisch.

Reliefs als Symbole der Tugenden

Der Treppe im Inneren des Rathauses erhielt kein Geländer. Bei der Restaurierung des Obergeschosses wurden die einstigen hölzernen Reliefs unter den Fenstern durch Kopien aus Stein ersetzt. Sie stellen die Tugenden Stärke, Gerechtigkeit, Klugheit, Nächstenliebe und Mäßigung dar. Die Originale blieben erhalten und werden heute im Wiesbadener Museum aufbewahrt. Bei einem weiteren Umbau des Hauses wurden auch die Relieftafeln unter den Fensterbrüstungen, die aus Eichenholz gefertigt waren, entfernt.

Neben dem Eingang stand der Pranger

Um den Bau bis zum Jahr 1610 zu vollenden, mussten die Einwohner der Stadt Wiesbaden mit anpacken. Sie arbeiteten, alten Dokumenten zufolge, jeweils sieben Wochen ohne Bezahlung. Nach der Fertigstellung des Rathauses wurde neben dem Eingang der Pranger etabliert. An den jeweiligen Markttagen in Wiesbaden wurden hier die Verurteilten mit Halseisen und Ketten versehen und mussten den Spott ihrer Mitbürger ertragen. Im Jahre 2002 wurde das historische Rathaus noch einmal modernisiert und erhielt frische Farben sowie auf der Rückseite einen gläsernen Aufzug. Im Gebäude ist nunmehr das Standesamt der Stadt Wiesbaden untergebracht. Im Gewölbekeller befindet sich ein Weinlokal.

Das könnte dir auch gefallen