Das Hessische Staatstheater

Wiesbaden ist als hessische Landeshauptstadt das facettenreiche Kulturzentrum im Rhein-Main Gebiet. Als eines der ältesten Kurbäder Europas hat sich hier schon Anfang des 19. Jahrhunderts eine kulturelle Infrastruktur entwickelt, die Gästen aus Adel, Politik und sonstiger Prominenz exklusive Stunden der Unterhaltung bieten sollte. Das prunkvolle Herzstück bildete nahe dem Kurzentrum das Hessische Staatstheater, in dem die Gäste in beeindruckender Atmosphäre bei Oper und Schauspiel die Seele baumeln lassen konnten. Auch heute erstrahlt das Große Haus in seiner ganzen Wilhelminischen Pracht und besticht in seinem Inneren durch seine üppige Gestaltung. Baulich erweitert erfreut das Hessische Staatstheater heute als Mehrspartenhaus ein riesiges Publikum mit einer Vielfalt brillanter Aufführungen unterschiedlicher Genres der Darstellenden Künste.

Kaiserlicher Glanz im Herzen des Kurbads Wiesbaden

Bereits im Jahr 1827 nahm das herzogliche Hoftheater nahe des Grandhotels Nassauer Hof als Vorgängerbau des Neuen Königlichen Hoftheaters den Spielbetrieb auf. Durch den großen Zuspruch der Kurgäste stieß es Ende des 19. Jahrhunderts an seine Kapazitätsgrenzen. Kaiser Wilhelm II. sah als Initiator und Förderer die Notwendigkeit für den Bau eines neuen Schauspielhauses. Nach einem Architekturwettbewerb wurden die renommierten Wiener Theaterarchitekten Ferdinand Fellner d. Jüngere und Hermann Helmer mit der Errichtung des neobarocken Bauwerks beauftragt. Nach erstaunlich kurzer Bauzeit von nur 22 Monaten fand am 16. Oktober 1894 die kaiserlich gefeierte Premiere unter den Augen Wilhelm II. statt.

Rund 1,8 Millionen Goldmark hatte sich der Kaiser den Prestigebau kosten lassen, der den herrschaftlichen Glanz nach Vorbildern der Theaterhäuser in Prag und Wien erstrahlen ließ und gleichzeitig ausgezeichnete Voraussetzungen für visuell wie akustisch einzigartige Inszenierungen zuließ. Weitere 600.000 Mark investierte der Kaiser nur acht Jahre nach der Eröffnung in ein prachtvolles Foyer an der Ostseite des Hauptgebäudes. Ergänzt wurde das Gesamtbauwerk durch Funktionsräume wie Werkstätten und eine Probebühne.

Vom Königlichen Hoftheater zum modernen Mehrspartenhaus

Ein Bühnenbrand im Jahr 1923 und die Bombardierung zum Ende des Zweiten Weltkrieges führten zu schweren Schäden der Kuppel des Bühnenturms und der Nordseite mit der Decke des Zuschauerbereichs, dem Säulenportikus der Theaterkolonnade sowie der architektonisch üppig dekorierten Kassenhalle, die vereinfacht wieder aufgebaut wurden. In dem seit 1946 unter der Trägerschaft des Landes Hessen stehen Theater fand im Jahr 1947 die Premierenvorstellung des Großhessischen Staatstheaters der Nachkriegszeit statt, das dann den Namen Hessisches Staatstheater Wiesbaden erhielt.

Durch stete und aufwendige Sanierungen hat das Theater mit seinem neobarocken Theatersaal, dem Rokoko-Foyer, der Theaterkolonnade und vielen um das Haus stehenden Skulpturen nichts an seiner Schönheit verloren. Zudem sorgen heute stetige technische Updates für brillante Hör- und Sehgenüsse auf vier Bühnen. Neben jährlich über 30 Neuinszenierungen in den Gattungen Oper, Schauspiel und Ballett zwischen Klassischem und Zeitgenössischem bilden die traditionellen Maifestspiele alljährlich das absolute Highlight der Theatersaison.

Genussmomente – Nicht nur für Theaterfreunde

Das Hessische Staatstheater besticht auch durch seine Lage. So ist die Prachtfassade mit dem Haupteingang in der Mitte der Theaterkolonaden dem Bowling Green, einer wunderschönen Rasenanlage mit einem prächtigen Kaskadenbrunnen und Wasserbereichen zugewandt. In unmittelbarer Nachbarschaft hierzu befinden sich das Kurhaus, der Kaiser-Friedrich-Platz und der Kurpark.

Wer einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte, dem verschaffen geführte Theaterrundgänge Einblicke rund um das Schauspiel in Wiesbaden. Für außergewöhnliche Genussmomente sorgt die Operngastronomie, die Besucher des Staatstheaters mit regionalen Produkten von Landwirten und Winzern des Rheingaus verwöhnt. So ist der Besuch des Hessischen Staatstheaters im wahrsten Sinne ein Genuss für alle Sinne.

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