Stadtschloss Hessischer Landtag

Hessischer Landtag – ein Schloss im Zentrum von Wiesbaden

Bei einem Besuch in Wiesbaden haben Sie die Möglichkeit die bewegte Geschichte eines beeindruckenden Baudenkmals näher zu erkunden: Das Stadtschloss am Marktplatz war einst die Residenz der nassauischen Herzöge. Seit dem Jahr 1946 ist das Schloss Sitz des Hessischen Landtags. Dieser ist das gesetzgebende Organ des Bundeslandes Hessen. Es wurde von dem niedersächsischen Architekten und Stadtplaner Georg Moller entworfen.

Kunsthistorische Bedeutung

Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Planungsarbeiten für das Stadtschloss Wiesbaden. Nach den detailreichen Plänen des Architekten Georg Moller errichtete Hofbaumeister Richard Görz von 1837 bis 1841 das Schloss am heutigen Schlossplatz in Wiesbaden. Georg Moller war zur damaligen Zeit angestellter Hofbaudirektor des Großherzogtums Hessen-Darmstadt und zählt noch heute zu den bedeutendsten Vertretern des Klassizismus in Deutschland. Er plante unter anderem das Staatstheater in Mainz, die St. Ludwigs Kirche in Darmstadt und den Luisenplatz mit angrenzendem Kollegiengebäude und Ludwigsmonument.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele seiner beeindruckenden Bauwerke fast vollständig zerstört – bis auf das Stadtschloss der Landeshauptstadt Wiesbaden! Hier waren nach Kriegsende lediglich kleine Verluste an der Außenfassade und am rechten Flügel des Gebäudes, dem einstigen Wohntrakt, erkennbar. Aus diesem Grund kommen Besucher heute in den einmaligen Genuss die originale Raumaufteilung und dessen Ausstattung besichtigen zu können.

Architektursprache, Innenraumgestaltung, Technik, besondere Ausstattungsmerkmale sowie die Bauart bilden gemeinsam eines der bedeutendsten Zeitzeugnisse des Klassizismus in Deutschland. Insbesondere gelten Mollers technische Konzeptionen wie beispielsweise die Eisenkonstruktionen der Kuppeln und Wintergärten des Schlosses oder die hohe Qualität der Innenraumgestaltung mit Stuckmarmor, Porzellan aus Meißen und diversen Ausmalungen als herausragend für die damalige Zeit. Vergleichbare Arbeiten in einer ähnlichen Qualität und Detailverliebtheit findet man in Hessen heute nur noch im Ballhaus des Schloss Wilhelmshöhe in der documenta-Stadt Kassel.

Bewegte Vergangenheit

Das Stadtschloss am Marktplatz in Wiesbaden war zunächst unter dem Namen „Herzogliches Haus“ bekannt, da es Herzog Wilhelms neues Wohnhaus werden sollte. Er starb vor der Fertigstellung 1841. Sein Sohn Adolf übernahm das Erbe seines Vaters. 1848, es war die Zeit der Märzrevolution, kam es auf dem Schossplatz zu einem Volksaufstand. 30.000 aufgebrachte Bürger forderten: Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit und öffentliche Gerichtsverfahren. Dieser Aufstand ging unter dem Namen „Neun Forderungen der Nassauer“ in die Geschichtsbücher ein. Herzog Adolf versprach den aufgebrachten Bürgern daraufhin die Umsetzung ihrer Forderungen. Sein Ansehen stieg und er wurde der am längsten regierende Herzog des Landes. Nach der Kriegsniederlage gegen Österreich wurde er von seinem Amt abgesetzt. Er ging nach Wien bis er 1890 das Erbe als Großherzog von Luxemburg antrat. Noch heute pflegen die Wiesbadener ein gutes Verhältnis zu Luxemburg.

Sitz des Hessischen Landtags

Die historischen Räumlichkeiten stehen heute für offizielle Empfänge und Feierlichkeiten der Landesregierung zur Verfügung. Im Musiksaal finden öffentliche Konzerte statt. In den an das Schloss angrenzenden Gebäuden befinden sich nun die Büros der Abgeordneten und der Verwaltungsmitarbeiter. Es gibt Sitzungssäle, eine große Landtags-Kantine und Räume für Pressekonferenzen. Darüber hinaus wurde in den neugestalteten Plenarsaal eine Besuchertribüne integriert und im Informationszentrum erhält man spannende Einblicke in die Geschichte des Landtags.

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